Der älteste Taufstein des Westerwaldes
Auf der Suche nach dem ältesten Taufstein des Westerwaldes

Foto: Katholische Kirchengemeinde Altenkirchen
Die Suche nach dem ältesten Taufstein des Westerwaldes ist spannend und liest sich wie ein Krimi. Dabei spielen die Reformation, das Altenkirchener Schloss, die Ortsgemeinde Mammelzen und der damalige Dorfschmied des Ortes jeweils eine entscheidende Rolle.
Wenn man in Wikipedia die Liste der Kulturdenkmäler der Ortsgemeinde Mammelzen aufruft, steht dort, dass sich bei der Adresse „Über dem Berg, Hausnummer 3“, die Reste eines vorbarocken Taufsteins befinden sollen. Doch wenn man dem mit viel Liebe renovierten Fachwerkhaus einen Besuch abstattet, ist von einem Taufstein nichts zu entdecken.
Doch gibt es auf der Suche nach diesem verschollenen Kulturdenkmal zwei gute Nachrichten, denn erstens befindet sich der Taufstein heute in der katholischen Kirche in Altenkirchen und zweitens ist dieses mehr als 800 Jahre alte Kulturdenkmal der wohl älteste Taufstein des Westerwaldes.
Taufe, Taufsteine und Reformation
Alles begann im Jahr 1200, als Altenkirchen offizieller Taufort des Christentums war. Die Taufen wurden damals in der dreischiffigen Pfeilerbasilika, einer aus Stein erbauten, bis 1851 erhaltenen Kirche, durchgeführt. Dafür befand sich in dieser Kirche ein Taufstein. Das mit Weihwasser gefüllte Taufbecken symbolisierte dabei die christlichen Taufen von Johannes dem Täufer.
Zu Beginn war diese Kirche katholischen Glaubens. Doch im Zuge der Reformation führten die Landesherren der Grafen von Sayn im Jahr 1606 in ihrem Hoheitsgebiet den Heidelberger Katechismus ein, der aus der katholischen Kirche in Altenkirchen eine evangelische Kirche machte. Der Taufstein, von den Katholiken als Christussymbol verehrt, wurde aus der Kirche entfernt und durch eine Taufschale ersetzt.
Lagerung und Versteigerung
Der Taufstein, bestehend aus Fuß und Taufbecken, wurde anschließend auf das Gelände des Altenkirchener Schlosses verbracht, geriet in Vergessenheit und fristete dort 256 Jahre lang sein Dasein.
Das änderte sich 1862, als das Inventar des Altenkirchener Schlosses versteigert wurde, da das Schloss wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste. Den Zuschlag für den Taufstein erhielt ein Landwirt, der den Stein zu seiner Wohnadresse in Mammelzen transportierte.
Der Taufstein diente dem Landwirt fortan zum Waschen von Kartoffeln und Rüben für die Viehfütterung.
Doch im Laufe der Jahre wurde der Taufstein nutzlos, am Wegesrand abgelegt und geriet in Vergessenheit.
Der Taufstein ist verschollen
Der Dorfschmied von Mammelzen, ein bekennender Christ, hatte wohl Mitleid mit dem Taufstein und begrub diesen, von allen Dorfbewohnern unbemerkt, auf seinem Grundstück, weil ihn, so wie er sagte, der „hillige Steen“ dauerte.
Aus den Kirchenbüchern überliefert, wurde der damalige Heimatverein Altenkirchen auf den Taufstein aufmerksam und man beschloss, sich auf die Suche nach dem Taufstein zu begeben. Doch wo genau der Schmied, der inzwischen verstorben war, den Stein begraben hatte, wusste niemand. Mehrere Grabungen in den 1960er Jahren, die anschließend auf dem Grundstück in Mammelzen durchgeführt wurden, blieben erfolglos.
Glücklicher Zufall führt zum Erfolg
Doch 16 Jahre später hatte man Glück, denn bei Erdarbeiten, die mit einem Bagger auf dem Grundstück vorgenommen wurden, entdeckte man Steinreste. Und als man auf einem der Steine zwei Kreuze fand, war allen Beteiligten sofort klar, dass man den so lange verschollenen Taufstein gefunden hatte. Zwar hatte der Schmied den Fuß des Taufsteins zertrümmert, doch das Taufbecken war noch erhalten.
Das Taufbecken wurde kartografiert, in die Liste der Kulturdenkmäler von Rheinland-Pfalz aufgenommen, auf dem Grundstück in Mammelzen belassen und diente dem Grundstücksbesitzer fortan als Vogeltränke. Der zerbrochene Fuß wurde entsorgt,
Der Taufstein kehrt zurück
Doch der Zufall meinte es gut, als Haus und Grundstück den Besitzer wechselten. Der neue Eigentümer, die Familie Miesen, erkannte den Wert des Taufbeckens, nahm mit der katholischen Kirchengemeinde St. Jakobus und Joseph in Altenkirchen Kontakt auf und bot dieser das Taufbecken als kostenlose Dauerleihgabe an. Der damalige Pfarrer, Bruno Nebel, erklärte dazu: „Der Taufstein ist wirklich sehr alt, hat auch gelitten. Nachdem die Familie Miesen-Sperbel aus Mammelzen uns den Stein überlassen hatte, hat unser örtlicher Steinmetz einen Unterbau gefertigt, so dass er nun in unserer Pfarrkirche einen würdigen Platz gefunden hat“.
Seit 2015 steht der wahrscheinlich älteste Taufstein des Westerwaldes nun im Kirchenraum der katholischen Kirche von St. Jakobus und Joseph in Altenkirchen und kann dort zu den Öffnungszeiten der Kirche besichtigt werden.
Das Alter des Taufsteins
Das exakte Alter des Taufsteins konnte man bis heute nicht ermitteln. Denkmalforscher gehen davon aus, dass Taufsteine im Westerwald nicht vor dem Ende des elften Jahrhunderts verbreitet waren. In Verbindung mit dem Bau der Pfeilerbasilika um 1200 in Altenkirchen und der Rolle als Taufkirche kann man deshalb bei diesem Taufstein vom ältesten Taufstein des Westerwaldes ausgehen.
Autor: Axel Griebling, Mammelzen
