Traditionen in Mammelzen
Maibaumstellen und Maifeuer
Das Maibaumstellen in Mammelzen ist über Generationen hinweg eine feste Tradition in Mammelzen. Wie in vielen Gemeinden des Westerwaldes verbindet sich darin der Abschied vom Winter mit einer Zusammenkunft der Dorfgemeinschaft, die Jung und Alt zusammenbringt. Gemeinsam wird ein paar Tage vor dem 1. Mai im Wald ein Baum geschlagen und entrindet, während die Dorffrauen einen Kranz binden. Am Abend des 30. April erfolgt das Aufstellen des Maibaums. Gleichzeitig wird ein Maifeuer entzündet und auf dem hiesigen Spielplatz findet eine gemeinsame Maifeier statt. Traditionell versuchen die Jugendlichen der Nachbardörfer, den Maibaum abzuschneiden, deshalb wird dieser bis in die frühen Morgenstunden bewacht.
Frühschoppen und Sängerfest
Der MGV Hüttenhofen veranstaltet jährlich einen traditionellen Frühschoppen für die Dorfbevölkerung am und im Dorfgemeinschaftshaus in Mammelzen. Mit Liedvorträgen werden die Festbesucher durch den Chor unterhalten.
Alle fünf Jahre wird der Gründung des Gesangvereins mit einem dreitägigen Sängerfest in einem Festzelt beim ehemaligen Eisweiher gedacht.
Das Bäumchenstellen zur Geburt eines Kindes
Kommt in Mammelzen ein Kind zur Welt, lässt die Nachbarschaft das nicht unbemerkt vorbeigehen. Wenige Wochen nach der Geburt organisieren Freunde und Nachbarn das traditionelle Bäumchenstellen vor dem Haus der jungen Familie. Ein kleiner Nadel- oder Laubbaum wird dazu fest im Vorgarten installiert. Der Baum wird mit alter Babybekleidung, Rasseln und gebrauchtem Spielzeug geschmückt. Häufig wird auch statt eines Bäumchens eine Wäscheschnur verwendet. Dieses Ritual gilt als herzlicher Willkommensgruß des Neugeborenen in der Mammelzer Dorfgemeinschaft und endet meist in einem zünftigen Umtrunk, um auf die Gesundheit des Kindes anzustoßen.
Frühere Traditionen
Früher war das Alltagsleben in Mammelzen und seinen Ortsteilen von ganz eigenen, typischen Westerwälder Traditionen geprägt. Das dörfliche Zusammenleben basierte stark auf gegenseitiger Nachbarschaftshilfe, festen jahreszeitlichen Ritualen und dem gemeinsamen Erhalt von Dorfgütern.
Die Spinnstuben („Spönnstuff“)
In den kalten Wintermonaten, wenn die Arbeit auf den Feldern ruhte, verlagerte sich das soziale Leben in die gemütlichen Spinnstuben des Dorfes. Man traf sich einmal wöchentlich abwechselnd in den Wohnhäusern der verschiedenen Familien. Während die Frauen Wolle sponnen, Strümpfe strickten, häkelten oder Flachs zu Leinen für die Bettwäsche verarbeiteten, saßen die Männer oft dabei und trugen mit Geschichten, Gesang und musikalischer Unterstützung zum Gelingen des Abends bei. Die Spinnstuben waren das „soziale Netzwerk“ der damaligen Zeit. Hier wurde das Dorfleben durchleuchtet, Familiengeschichten wurden weitererzählt und enge Kontakte geknüpft.
Hausschlachtung und Wurstsuppe
Im Winter, meist zwischen November und Februar, fand auf vielen Höfen die traditionelle Hausschlachtung statt. Wenn der Hausmetzger kam, packte oft die gesamte Nachbarschaft mit an, denn das Zerlegen und Verarbeiten eines Schweins war Schwerstarbeit. Trotz der harten und oft anstrengenden Arbeit kam die Geselligkeit nie zu kurz. Schon während des Tages gab es für die Helfer das traditionelle „Wellfleisch“ (frisch gekochtes Fleisch aus dem Kessel). Am Abend, wenn die Arbeit getan war, feierte man das Schlachtfest. Dazu wurden Nachbarn und Verwandte eingeladen, die beim Schlachten geholfen oder Werkzeuge ausgeliehen hatten. Als Dankeschön gab es für die Gäste zusätzlich Wurstsuppe („Metzelsupp“) oder eine frische Wurst mit nach Hause. Oft wurden auch Kostproben der frischen Blut- und Leberwurst an die umliegenden Nachbarn verteilt.
Der Krauthobel auf Wanderschaft
Neben der Hausschlachtung gab es im herbstlichen Westerwald eine weitere Gemeinschaftsarbeit, die für die Vorratshaltung entscheidend war, die Herstellung von Sauerkraut. Das wichtigste Werkzeug hierfür war der Krauthobel. Da nicht jeder Haushalt ein solch großes Gerät besaß, wanderte der Krauthobel im Herbst von Haus zu Haus. Jede Familie nutzte den Hobel, um zentnerweise Weißkohl zu schneiden und in die typischen Steinfässer für Sauerkraut einzustampfen. Dass der Hobel reibungslos weitergegeben und sauber gehalten wurde, war dabei ein ungeschriebenes Gesetz.
Die Namens-Tradition
Auch im sprachlichen Umgang gab es eine feste Tradition, die bis heute in der älteren Generation des Westerwaldes nachwirkt: Der Nachname wurde prinzipiell vor den Vornamen gestellt, oft im Genitiv. Eine Lieselotte Müller wurde im Dorf schlicht zur „Müllers Liesel“ und ein Johann Schmidt zum „Schmidts Hans“. Das schuf sofort eine familiäre Zuordnung im Ort. Zudem war man im Dorf grundsätzlich untereinander per Du – das „Sie“ war ausschließlich dem Pfarrer, dem Lehrer oder hohen Amtsträgern vorbehalten.